In seiner Keynote auf der EZB-Konferenz zur Geldpolitik 2026 beschrieb Lane, wie die Zentralbank die angemessene geldpolitische Ausrichtung bestimmt. Dafür prüft sie laut seiner Rede die Inflationsaussichten samt Risiken anhand neuer Wirtschafts- und Finanzdaten, die Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation sowie die Stärke der geldpolitischen Transmission. Die Einschätzung soll mehrere Faktoren zusammenführen und sich an der mittelfristigen Entwicklung orientieren, statt an einem einzelnen Datenpunkt oder einer einzigen Erklärung zu hängen.
Derzeit sei der Energieschock auf der Angebotsseite der wichtigste Inflationstreiber, sagte Lane. Für die mittelfristige Teuerung komme es unter anderem darauf an, wie groß und wie lange der Schock ausfällt und wie stark höhere Energiepreise auf die Preise anderer Güter und Dienstleistungen durchschlagen. Auch fiskalische Faktoren, Künstliche Intelligenz und die Finanzierungsbedingungen könnten die Übertragung des Energieschocks beeinflussen und die mittelfristige Inflation direkt berühren.
Die EZB veröffentliche Szenarien, die mögliche Folgen bestimmter Risiken für Inflation und Wirtschaftsaktivität abbilden. In diesem Jahr hätten Szenarien unterschiedliche Verläufe des Energieschocks untersucht. Lane betonte zugleich, dass geldpolitische Entscheidungen auch weitere Szenarien und Sensitivitätsanalysen berücksichtigen. Die Annahmen in den Energieszenarien, etwa zum Tempo des Preisdurchschlags und zu Folgen für Finanzierungsbedingungen und Konjunktur, müssten laufend mit den beobachteten Entwicklungen abgeglichen werden.
Bei der zugrunde liegenden Inflation reiche kein einzelner Indikator aus. Die EZB ziehe deshalb mehrere Messgrößen heran. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Beginn des Energieschocks gewinne die tatsächlich beobachtete Entwicklung dieser Indikatoren an Bedeutung, erklärte Lane. Sie könne helfen, die Stärke und Dauer des Preisdurchschlags einzuschätzen, insbesondere wenn die Unsicherheit und die Fehlerspannen mittelfristiger Prognosen groß seien.
