Bei einer Rede am 5. Oktober 2026 in London beschrieb Nasser die nahezu vollständige Unterbrechung der Straße von Hormus als schwersten Energieversorgungsschock seiner Karriere. Die Folgen reichten über den Energiemarkt hinaus: Nasser nannte unter anderem Belastungen für den Seefrachtverkehr und angespannte Lieferketten. Auch die Preise für raffinierte Kraftstoffe seien stärker gestiegen als die Rohölpreise.
Zu Beginn der Krise hätten sich weltweit insgesamt fast 10 Milliarden Barrel Öl in den Beständen befunden. Seither sei ein Bruttoangebot von nahezu 3 Milliarden Barrel ausgefallen. Das entspreche ungefähr der Hälfte der Rohöl- und Produktmengen, die im selben Zeitraum normalerweise durch die Straße von Hormus transportiert worden wären. Mehr als 1 Milliarde Barrel aus den Beständen habe den Ausfall abgefedert.
Nach Schätzungen, auf die Nasser verwies, seien inzwischen weniger als 6 Milliarden Barrel an kommerziellen Lagerbeständen übrig. Der größte Teil davon sei praktisch nicht verfügbar. Vor allem die kommerziellen Vorräte an Land hätten zur Abfederung beigetragen; Nasser bezeichnete sie als letztes großes verfügbares Mittel. Die verbleibende Reserve zur Sicherung der Versorgung sei daher dünn, sagte er.
Selbst wenn die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet sei und das Vertrauen zurückkehre, könne es laut Nasser bis zu zwei Jahre dauern, die Bestände wieder aufzufüllen und zugleich die Nachfrage zu bedienen. Notfallreserven könnten nach seiner Einschätzung über einen Winter hinweg helfen, lösten aber kein langfristiges Versorgungsproblem. Für den Fall einer anhaltenden Störung verwies Nasser zudem auf ein vom Internationalen Währungsfonds modelliertes schweres Szenario: Das weltweite Wirtschaftswachstum könnte im kommenden Jahr auf 2 Prozent sinken, während die Inflation über 6 Prozent steigt. Er sagte, das Risiko für ein solches Szenario nehme mit der Dauer der Störung zu.
