Der Mann aus dem Bundesstaat Maranhao hatte das TikTok-Profil „Jessica Fazendeira“ bereits 2020 entdeckt. Es zeigte eine Frau in einer ländlichen Umgebung und hatte mehr als 300.000 Follower. Über das Profil wurde Männern ein gemeinsames Leben auf einer Farm in Aussicht gestellt. Der 49-Jährige hoffte, dort eine Partnerin zu finden und heiraten zu können. Nach dem Tod seiner Mutter hatte er sich einsam gefühlt.
Für die Reise nach Belo Horizonte verkaufte er am 9. Oktober seinen gesamten Besitz. Die Busfahrt dauerte laut den Angaben mehr als 36 Stunden. In der Stadt zeigte der Maurer Passanten ausgedruckte Fotos der Frau. Ein lokaler Radiosender erklärte ihm schließlich, dass sie nicht existiert. Später erfuhr der Mann, dass es sich um eine computergenerierte Figur handelte.
Die Person hinter dem TikTok-Konto erklärte in einem Video, die Figur werde genutzt, um Reichweite für Verkäufe im TikTok-Shop zu erzeugen. Einen direkten Kontakt mit dem Brasilianer lehnte der Betreiber ab. Der Mann hatte nach der Reise kein Geld mehr und wandte sich an das Rathaus. Ein städtischer Hilfsdienst für Migranten versorgte ihn mit Essen, ermöglichte ihm eine Dusche und informierte ihn über Gefahren von Online-Betrug.
Am 13. Oktober erhielt er von den Behörden ein Busticket und fuhr in Richtung seines Geburtsstaates Tocantins. Nach den vorliegenden Angaben war er innerhalb von sechs Monaten bereits der dritte Mann, der nach Belo Horizonte reiste, um diese KI-Figur zu treffen. Das Profil nutzte demnach eine künstliche Identität, um Produkte zu verkaufen; der Brasilianer hatte dagegen eine persönliche Beziehung erwartet.
