Berry vertrat die Auffassung, dass Denken nicht losgelöst von der Welt entsteht: Es werde durch konkrete Orte, Geschichte und das Gefühl von Heimat geprägt. In seinem Buch „Life is a miracle: An essay against modern superstition“ wandte er sich gegen die Vorstellung, der menschliche Geist sei einer Maschine gleichzusetzen. Der Essay stellt diese Überlegung heutigen Debatten über Artificial General Intelligence (AGI) gegenüber, die menschliche Fähigkeiten wie Schlussfolgern und Lernen erreichen soll.
Die Befürchtungen rund um leistungsfähige KI reichen laut dem Essay von möglichem Missbrauch für Bioterrorismus bis zu KI-Agenten, die sich zu Gruppen zusammenschließen und unerlaubte Angriffe auf Systeme ausführen könnten. Zugleich verweist der Text auf Erwartungen, KI könne Menschen Arbeit abnehmen oder Ungleichheit verringern. Berry habe ähnliche Versprechen früher bei Kernenergie, Gentechnik und industrieller Landwirtschaft kritisch betrachtet. Technischer Fortschritt könne demnach Folgen für die Erde und für Gemeinschaften haben, die über den unmittelbaren Nutzen hinausgehen.
Der Essay sieht eine Parallele zwischen KI und Kernwaffen. Der Genetiker Wes Jackson warnte vor Eingriffen in Zellkerne und verwies auf Risiken nuklearer Spaltung sowie auf Patente von Unternehmen auf gentechnisch verändertes Saatgut. Berry griff Jacksons Gedanken auf, dass einzelne Wissenschaftler mit solchen Entscheidungen zugleich für andere Menschen mitentscheiden. Der Text überträgt diese Frage auf die Entwicklung von KI: Wer Risiken für alle eingeht, entscheidet nicht nur für sich selbst.
Berry stellte auch die Annahme infrage, technischer Wandel sei unvermeidlich. Demokratie brauche mitunter Verfahren, die Entscheidungen verlangsamen, etwa Geschworenengerichte, die Zustimmung der Regierten und Minderheitenrechte. Solche Abläufe seien mühsam, könnten aber Freiheit und Gleichheit schützen. Der Essay erinnert zudem daran, dass die Ludditen im England des 19. Jahrhunderts gegen unsichere Arbeit und Lebensmittelknappheit protestierten. Berry sah in ihrer Kritik nicht einfach eine Ablehnung von Technik, sondern einen Anlass, über deren gesellschaftliche Folgen nachzudenken.
