Unter dem Begriff KI-Ethik werden unterschiedliche Tätigkeiten zusammengefasst, die nicht alle dasselbe leisten sollen. Die Forschenden halten deshalb die pauschale Frage, ob KI-Ethik nützlich ist, für zu undifferenziert. Entscheidend sei vielmehr, welche Form für welches Ziel eingesetzt wird. An der Publikation beteiligt waren Forschende der Universität Bayreuth, der Universität des Saarlandes und des CISPA Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit.
Die Arbeit benennt drei grundlegende Ziele: Wissen über moralische, gesellschaftliche und normative Aspekte von KI zu erarbeiten, dieses Wissen zu vermitteln und es bei der verantwortungsvollen Entwicklung sowie Nutzung von KI anzuwenden. Dazu ordnet sie KI-Ethik vier Bereichen zu: Forschung, Bildung, der praktischen Entwicklung von KI-Systemen und Governance. Zum letzten Bereich zählen etwa Ethikbeiräte, Leitlinien und Gesetze.
Ein zentraler Punkt der Publikation ist die Trennung zwischen der Kritik an einem einzelnen Mittel und einer Bewertung des gesamten Feldes. Leitlinien könnten beispielsweise nur begrenzten Einfluss auf die Entwicklung von KI-Systemen haben. Daraus lasse sich nach Auffassung der Forschenden aber nicht ableiten, dass Forschung, Bildung oder andere Governance-Ansätze ebenfalls wirkungslos seien. Unterschiedliche Instrumente sollten entsprechend ihrer jeweiligen Aufgabe beurteilt und gegebenenfalls miteinander verbunden werden.
Die Forschenden sprechen sich außerdem dagegen aus, KI-Ethik allein auf Gesetzgebung zu verengen oder durch Marktmechanismen zu ersetzen. Forschung und öffentliche Diskussion seien nötig, um zu klären, welche Regeln und Werte für Entwicklung und Einsatz von KI gelten sollen. Ethikgremien und wissenschaftliche Bewertungen könnten laut der Publikation zudem oft schneller auf technische Veränderungen reagieren als Gesetzgebungsverfahren. Die Arbeit wurde von der Volkswagen Foundation, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) gefördert.
