Anthropic hat nach eigener Auswertung 250.000 Gespräche mit Claude.ai aus den USA zwischen dem 21. und 27. September 2026 untersucht. 5,75 Prozent der Unterhaltungen drehten sich um Politik, 0,51 Prozent um Wahlen oder das Abstimmen. In rund 0,01 Prozent der Gespräche fragten Nutzerinnen und Nutzer Claude, wen oder was sie wählen sollten. Etwa 0,002 Prozent verstießen laut Anthropic gegen die Regeln zur Integrität von Wahlen. Häufiger ging es um Positionen von Kandidaten, Nachrichten, akademische Recherche oder staatliche Angebote.
Anthropic verlinkt weiterhin auf TurboVote, einen von Democracy Works betriebenen, überparteilichen Dienst zu Wählerregistrierung, Wahllokalen und Wahlterminen. Später im Oktober 2026 soll Claude offizielle, bundesstaatsspezifische Informationen direkt in Antworten einbeziehen, etwa dazu, wo gewählt wird und welche Ausweise benötigt werden. In der Wahlnacht und an den folgenden Tagen will Anthropic außerdem aktuelle Stimmenzahlen und offizielle Ergebnisse in Gesprächen anzeigen lassen.
Bei einer internen Bewertung zur politischen Ausgewogenheit erzielten Claude Opus 5.5, Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 laut Anthropic jeweils 99 Prozent. Die Modelle gingen demnach häufiger auf politische Themen ein und lehnten weniger Anfragen ab als frühere Versionen. Externe Untersuchungen fanden unter anderem, dass Claude ungefragt Gegenargumente ergänzte und Sonnet 4.5 rechtsgerichtete Positionen teils unterschiedlich abschwächte. Anthropic gibt an, Antworten auf Ja-Nein-Fragen und den ausgewogenen Umgang mit Vorbehalten angepasst zu haben.
Die Nutzungsregeln untersagen unter anderem, Wählende zu täuschen, falsche Wahlinformationen zu verbreiten, Wahlbeamte zu imitieren oder die Wahlbeteiligung zu unterdrücken. Erlaubte Beispiele sind laut einem veröffentlichten Kampagnenleitfaden das Verfassen von Pressemitteilungen, die Vorbereitung auf Debatten und die Ansprache von Wählenden. Verboten sind demnach gefälschte Social-Media-Profile, massenhaft erstellte Kommentare und erfundene Nachrichten. Bei Tests koordinierter Kampagnen in den USA, Israel und Brasilien verweigerte Claude einzelne schädliche Anfragen zuverlässig, erkannte aber teilweise nicht, wenn sich ein Vorhaben über mehrere Aufgaben verteilte. Anthropic berichtet zudem von gesperrten Konten, die Inhalte für pro-russische, iranische und nordkoreanische Berichterstattung zu den US-Zwischenwahlen sowie erfundene Nachrichten für Werbeeinnahmen erstellt hätten.
