In einem Essay im Bulletin of the Atomic Scientists mit dem Titel „Who stands behind the words?“ fordert Roy mehr Verantwortlichkeit in der öffentlichen Kommunikation. Anlass ist unter anderem der Einsatz generativer KI bei politischen Stellungnahmen: Behörden holen bei geplanten Maßnahmen häufig Rückmeldungen ein, und KI kann Kommentare erzeugen, die wie Beiträge einzelner Menschen wirken. Dadurch wird es schwieriger festzustellen, wer tatsächlich hinter einer Äußerung steht.
Roy ist Professor für Media Arts and Sciences am MIT und leitet dort das Center for Constructive Communication (CCC). Er beschreibt die Frage nach der Verantwortung als besonders dringlich, seit ChatGPT veröffentlicht wurde. Auch wenn man KI-Systemen weitreichende Sprachfähigkeiten zugestehe, fehle ihnen nach seiner Auffassung eine eigene Stellung, aus der sie für ihre Aussagen einstehen könnten. Die Verantwortung könne deshalb nicht bei einer Software enden.
Das CCC und die eng verbundene gemeinnützige Organisation Cortico unterstützen Gruppengespräche zu öffentlichen und organisatorischen Themen. Dazu zählen laut MIT civic meetings, Schulen und deliberative Versammlungen. Die Organisationen setzen technische Werkzeuge und KI unter anderem ein, um wiederkehrende Themen in Beiträgen herauszuarbeiten. Der Ablauf ist zugleich so gestaltet, dass Teilnehmende die technischen Ausgaben an wichtigen Stellen prüfen und korrigieren können.
Roy zufolge bleibt am Ende ein Mensch für jeden öffentlichen Kommentar verantwortlich. Damit verbindet er den Einsatz von KI in solchen Verfahren mit einer klaren Zuständigkeit für die veröffentlichten Inhalte. Der Ansatz des CCC setzt nicht darauf, technische Auswertungen ungeprüft zu übernehmen: Teilnehmende sollen die Ergebnisse kontrollieren und bei Bedarf übersteuern können. Im Zentrum von Roys Essay steht damit nicht die Frage, ob KI Texte erstellt hat, sondern wer für deren Inhalt in einer öffentlichen Debatte einsteht.
