Auf dem Open Source Summit Europe erklärte Torvalds, warum KI gerade Menschen am Anfang ihrer Programmierlaufbahn helfen könne. Professionelle Software sei heute so ausgereift, dass Einsteiger mit ihren ersten Ergebnissen leicht unzufrieden würden. KI-Werkzeuge könnten ihnen Aufgaben ermöglichen, an denen sie ohne Unterstützung zunächst scheitern würden. Torvalds begann selbst um 1981 mit dem Programmieren, als Computer und Software deutlich einfacher aufgebaut waren.
Auch er nutzt KI gezielt für Bereiche, in denen ihm Fachwissen fehlt. Bei einem privaten Projekt für ein Gitarrenpedal schrieb Torvalds zunächst Software in C. Weil ihm die Benutzeroberfläche zu altmodisch erschien und er Java nicht verwendet, ließ er sich von einem KI-Tool einen moderneren Entwurf erstellen. Das erste Ergebnis fand er nach eigenen Angaben sehr schlecht. Erst als er dem System seinen vorhandenen Code als Grundlage gab, wurde der Vorschlag brauchbarer.
Für den Linux-Kernel sieht Torvalds dagegen Belastungen durch maschinell erstellte Meldungen und Code-Vorschläge. Die Werkzeuge spürten zwar auch echte Sicherheitsprobleme auf, lieferten aber ebenso Änderungen für Treiber, die seit 20 Jahren nicht mehr genutzt worden seien. Beim jüngsten Kernel Maintainer Summit beschäftigten sich drei Viertel der Diskussionen damit, wie sich der dadurch entstehende Aufwand verringern lässt. Automatisierte Prüfsysteme sollen die große Zahl eingehender KI-Patches kontrollieren; damit prüfen teils KI-Bots die Vorschläge anderer KI-Bots.
Torvalds sprach bei der Konferenz in Prag außerdem über die Entwicklung von Linux und Git. Nach einem Lizenzstreit rund um BitKeeper schrieb er 2005 innerhalb von elf Tagen die erste funktionierende Version von Git. Der Linux-Kernel folgt inzwischen einem Entwicklungsrhythmus von neun bis zehn Wochen. Als nächste stabile Version wird Linux 7.3 erwartet.
