Wayne E. Arnold und John A. Shultz wanderten 2025 auf dem Kumano Kodō, einer alten Route durch die japanische Präfektur Wakayama, die Shinto-Schreine und buddhistische Tempel verbindet. Für die mehrtägige Reise richteten die beiden einen KI-Begleiter auf einem Smartphone ein. Er sollte zu ihren Reisebedürfnissen passen und unter anderem beim Übersetzen helfen. Zugleich wollten sie untersuchen, wie künstliche Intelligenz das Erleben einer Pilgerreise verändert.
Ihre Erfahrungen beschrieben Arnold und Shultz später im International Journal of Religious Tourism and Pilgrimage. Die Wanderung diente ihnen als Fallbeispiel für mögliche Veränderungen des Pilgerns im digitalen Zeitalter. Die KI sollte die Reise nach ihrer Darstellung nicht ersetzen, sondern Teil davon werden.
Technische Veränderungen haben Pilgerreisen schon lange geprägt. Im 19. Jahrhundert verkürzten Dampfschiffe, im 20. Jahrhundert Flugzeuge die Reise nach Mekka. Dadurch verschwanden viele der alten Überlandrouten des Hajj weitgehend; stärker in den Mittelpunkt rückten die heiligen Orte und Schreine am Ziel. Auch Informationen erleichterten Pilgerreisen: Im vierten Jahrhundert entstanden christliche Wegbeschreibungen zu Routen und heiligen Stätten.
Der Buchdruck verbreitete solche Reiseinformationen weiter. Bernhard von Breydenbach veröffentlichte 1486 einen viel verbreiteten Führer für Pilgerreisen ins Heilige Land. Das lateinische Werk mit Karten und Illustrationen wurde in mehrere Sprachen übersetzt und bis 1500 mindestens zwölfmal neu gedruckt. Es vermittelte auch Menschen, die nicht selbst reisen konnten, Vorstellungen vom Heiligen Land. Der Einsatz eines KI-Assistenten auf dem Kumano Kodō steht damit in einer längeren Geschichte, in der neue Medien und Verkehrsmittel die Vorbereitung und Gestaltung religiöser Reisen verändert haben.
