In Kanada helfen Integrationsdienste Neuankömmlingen unter anderem bei Wohnen, Arbeit, Sprachkursen, Gesundheitsversorgung und rechtlichen Informationen. Im Haushaltsjahr 2024–25 unterstützten mehr als 550 Partnerorganisationen etwas mehr als 690.000 Menschen außerhalb der Provinz Québec. KI könnte diese Angebote ergänzen, indem sie häufige Fragen beantwortet und passende Anlaufstellen vermittelt.
Mögliche Anwendungen reichen von der Suche nach Englisch- oder Französischkursen, Lebensmittelbanken und Rechtsberatungsstellen bis zu Hinweisen auf Beschäftigungsworkshops und Veranstaltungen. Für Mitarbeitende könnten KI-Systeme Weiterleitungen ordnen, Erinnerungen verschicken und wiederkehrende Verwaltungsaufgaben reduzieren. Auch beim Erstellen von Lebensläufen, bei Probeinterviews, der Jobsuche und beim Üben von Aussprache oder beruflichem Wortschatz wäre Unterstützung denkbar.
Besonders bei der Orientierung könnte KI helfen: Sie kann etwa aufzeigen, ob eine Person eine Sprachbewertung, eine Arbeitsberatung oder eine andere Stelle ansprechen sollte. Die Entscheidung und fachliche Beratung sollen jedoch bei den zuständigen Menschen bleiben. Die kanadische KI-Strategie für den öffentlichen Dienst 2025–2027 setzt laut der Strategie auf eine menschenzentrierte, verantwortungsvolle und sichere Nutzung; KI soll Beschäftigte bei komplexeren Aufgaben unterstützen, nicht ihr Urteil ersetzen.
Der Zugang zu digitalen Angeboten ist nicht für alle gleich. Als Hindernisse gelten unter anderem fehlendes stabiles Internet, geringe digitale Kenntnisse, Sprachbarrieren, Datenschutzbedenken und fehlender Zugang zu geeigneten Geräten. Statistics Canada zufolge hatten 2024 45 Prozent der Menschen mit Behinderungen oder langfristigen gesundheitlichen Einschränkungen aufgrund ihrer Situation Barrieren bei Online-Aktivitäten. Ein Smartphone allein garantiert also nicht, dass jemand Formulare oder virtuelle Kurse problemlos nutzen kann.
Besondere Vorsicht gilt bei Einwanderungs- und Rechtsberatung. KI kann allgemeine Informationen bereitstellen, soll aber keine Einwanderungsberatung ersetzen. In Kanada dürfen entgeltliche Beratung zu Einwanderung oder Staatsbürgerschaft nur befugte Vertreter anbieten, darunter zugelassene Einwanderungsberater, Anwälte, berechtigte Paralegals in Ontario und Notare in Québec.
