Der Wechsel folgt auf eine weitere Umstellung im vergangenen Mai: Damals ersetzte Ecosia OpenAI durch das französische Unternehmen Mistral. Nun setzt die Suchmaschine stattdessen auf verschiedene Open-Source- und Open-Weight-Modelle, die über Melious eingebunden werden. Zu den genannten Systemen zählen Qwen, GLM und Kimi, die aus China stammen. Kroll zufolge haben sich dabei sowohl die Qualität als auch die Leistung verbessert, während die Betriebskosten etwa halbiert werden konnten.
Als Gründe für die Abkehr von Mistral nannte Kroll die Qualität der Modelle und technische Schwierigkeiten. Ecosia sei mit den Modellen unzufrieden gewesen und habe sie im Vergleich zur Konkurrenz als ungefähr ein Jahr zurückliegend eingeschätzt. Hinzugekommen seien wiederkehrende Serverüberlastungen. Kroll zufolge war Ecosia für Mistrals Infrastruktur ein zu großer Kunde.
Auch Umweltziele und die Frage nach Unabhängigkeit hätten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. Kroll verwies auf den hohen Anteil von Atomstrom im französischen Strommix und auf Mistrals Finanzierung durch internationale Investoren, darunter Nvidia und Samsung. Mistral-Mitgründer Guillaume Lample verwies dagegen auf das neu veröffentlichte Modell Large 4 und bot Ecosia an, es frühzeitig zu testen. Für die Entwicklung konkurrenzfähiger Spitzenmodelle seien Zeit und erhebliche Rechenleistung nötig, erklärte Lample.
Ecosia sieht mögliche politische Verzerrungen in Trainingsdaten chinesischer Modelle nach Krolls Angaben als technisch bearbeitbar an. Dafür könnten Filter und gezieltes Nachtraining eingesetzt werden. Grundlegende Qualitätsprobleme schwächerer Modelle ließen sich aus seiner Sicht dagegen nicht auf dieselbe Weise lösen. Wie genau Ecosia die einzelnen Modelle auf seine KI-Funktionen verteilt oder welche Modelle jeweils zum Einsatz kommen, ist nicht angegeben.
