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Anthropic schreibt Claude die Entdeckung einer Enzymfamilie zu

Anthropic zufolge hat Claude eine ungewöhnliche Enzymfamilie in Bakteriophagen erkannt. Ein beteiligter Biologe fragt, ob unveröffentlichte Forschung seines Teams die Antwort beeinflusst haben könnte; dafür gibt es bislang keinen belegten Nachweis.

Symbolbild: Anthropic schreibt Claude die Entdeckung einer Enzymfamilie zu
Symbolbild · KI-generiert

Die Enzyme heißen array-associated reverse transcriptases (ARTs). Anthropic stellte die Entdeckung als Beispiel dafür vor, dass Claude biologische Forschung anstoßen kann. Reverse Transkriptasen übertragen RNA in DNA. Sie werden unter anderem in der Forschung und in diagnostischen Tests eingesetzt. Das einzelne Enzym, um das es geht, war bereits zuvor von einem Team der Texas A&M University identifiziert worden. Anthropics weitergehender Anspruch betrifft ein System aus dem Enzym, wiederholten DNA-Sequenzen und einem möglichen Partnerprotein. Die Forschenden fanden, dass die Wiederholungen kleine RNA-Moleküle hervorbringen.

Mario Rodríguez Mestre, Doktorand für Computational Biology an der Universität Kopenhagen, sagt, sein Team untersuche seit 2022 dieselben Enzyme, die es „jumbotrons“ nennt. Er hatte Claude nach Angaben der vorliegenden Darstellung seine Dissertation und Manuskriptentwürfe übermittelt. Anthropic bestreitet, dass Nutzergespräche zum Training des Modells verwendet wurden oder dass das Biologieteam Zugriff darauf hatte. Ein Patent, in dem Mestre als Erfinder genannt wird, führt Sequenzen von Reverse Transkriptasen aus Jumbo-Phagen auf; der US-Antrag wurde im Juli 2023 veröffentlicht. Das dokumentiert frühere Arbeit an solchen Enzymen, belegt für sich genommen aber nicht, dass Mestres Team das von Anthropic beschriebene Gesamtsystem bereits charakterisiert hatte.

Ein Teil der Hinweise auf das System entstand durch eine erneute Analyse von Daten, die ein anderes Forschungsteam 2022 veröffentlicht hatte. Die Experimente im Labor führten Menschen durch. Noch ist nicht gezeigt, ob das Enzym aktiv ist, ob es die zugehörigen RNA-Moleküle in DNA kopiert oder welche Funktion das System im Virus hat. Auch eine Ähnlichkeit mit CRISPR belegt nicht, dass ARTs Gene bearbeiten können.

Wie zuverlässig Claude das Muster selbstständig findet, ist ebenfalls offen: In zehn zusätzlichen Suchläufen erkannten die Agenten die wiederholte Sequenz nicht. Einige Modelle konnten sie identifizieren, wenn ihnen die betreffenden Sequenzen direkt vorgelegt wurden. Das unterscheidet das Erkennen eines vorgegebenen Musters von seiner eigenständigen Entdeckung. Anthropics Bericht ist noch nicht von Fachleuten begutachtet worden. Die verfügbaren Angaben belegen nicht, dass unveröffentlichtes Material Mestres’ die Entdeckung beeinflusst hat; zugleich zeigen die Ergebnisse, warum die Herkunft der Daten und die Überprüfbarkeit einer KI-gestützten Analyse wichtig sind.

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