Microdramas, auch duanju genannt, sind kurze, für Smartphones produzierte Serien. Die Folgen dauern meist etwa eine Minute und erscheinen im Hochformat. Eine Staffel kann sich über Dutzende Episoden erstrecken. Häufig enden Folgen mit einem Cliffhanger; die ersten Episoden sind oft kostenlos, später kann für den Zugang zu weiteren Folgen eine Zahlung fällig werden. Für China wird der Umsatz des Formats 2024 auf US$7 Milliarden beziffert. Damit hätte es erstmals mehr umgesetzt als die heimischen Kinokassen. Das Publikum soll mehrere hundert Millionen Menschen umfassen.
Generative KI verändert die Produktion: Chinesische Plattformen veröffentlichen nach vorliegenden Angaben täglich Hunderte KI-generierte Microdramas. Die Technologie kann Figuren, Schauplätze und Handlungsansätze schneller hervorbringen. So lassen sich bekannte Erzählmuster in neuen Varianten anbieten. Die kurzen Folgen senken zugleich die wahrgenommene Hürde fürs Weiterschauen: Statt sich bewusst für eine längere Sitzung zu entscheiden, können Zuschauerinnen und Zuschauer Folge für Folge weitermachen.
Empfehlungssysteme erfassen dabei etwa, ob eine Episode vollständig angesehen, erneut abgespielt oder geteilt wird und ob jemand direkt zur nächsten Folge wechselt. Diese Signale können die Empfehlungen beeinflussen. Szenen, die Aufmerksamkeit halten, erhalten möglicherweise mehr Verbreitung; Produzenten können solche Erzählweisen wiederholen. Mehr Nutzung kann wiederum zusätzliche Einnahmen ermöglichen, die in Inhalte und Empfehlungen fließen. Eine Forschungsarbeit modelliert, wie sich diese Faktoren gegenseitig verstärken könnten.
Dass KI diesen Kreislauf tatsächlich verstärkt und dadurch Binge-Watching zunimmt, ist bislang eine Hypothese. Die Untersuchung hat den Effekt nicht experimentell nachgewiesen; dafür wären reale Nutzungsdaten nötig. Eine US-Umfrage aus dem Jahr 2025 ergab, dass etwa 45 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher mit Microdramas oder Micro-Serien vertraut waren. Als mögliche Maßnahmen gegen übermäßiges Weiterschauen werden Pausen vor der nächsten Folge, verständlichere Kostenangaben bei virtuellen Münzen und mehr Transparenz bei Empfehlungen genannt.
