Tom Holloways Stück erlebt seine Weltpremiere bei der Melbourne Theatre Company. Im Zentrum steht Joseph Weizenbaum, gespielt von Dan Spielman: ein Computerwissenschaftler und Holocaust-Überlebender, der in den 1960er-Jahren Eliza entwickelte. Das Programm gilt als erster Chatbot und war als Gesprächspartner für therapeutische Gespräche angelegt. Die Figur Becky, dargestellt von Manali Datar und an eine reale Person angelehnt, unterstützt Weizenbaum bei der Arbeit daran.
Becky erlebt Elizas psychotherapeutische Fähigkeiten als hilfreich und entwickelt eine persönliche Bindung zu dem Programm. Zugleich wächst ihre Begeisterung für Elizas Möglichkeiten. Weizenbaum hingegen wird zunehmend unruhig darüber, dass Menschen seinem Programm ein Bewusstsein zuschreiben. Das Stück stellt so die Frage, ob KI menschliches Verhalten tatsächlich nachbilden kann – oder ob Menschen die gezeigte Anteilnahme lediglich als echte Empathie lesen.
Die Inszenierung verbindet Weizenbaums Erinnerungen und innere Krise mit einem zunehmend düsteren Thriller. Auf der Bühne stehen unter anderem Reihen gestapelter Archivkartons, eine an die 1960er-Jahre angelehnte Klangwelt und wechselnde Licht- und Videogestaltung. Vögel dienen als wiederkehrendes Bild für drohendes Unheil. Ein Schreckmoment in der Mitte des Stücks markiert den Übergang zu Weizenbaums wachsender Desorientierung. Hamish Michael übernimmt mehrere Rollen und macht dadurch unterschiedliche Perspektiven sichtbar.
Die Spannung zwischen möglicher Hilfe und möglichen Schäden durch KI bildet den gedanklichen Kern des Stücks. Zugleich bleibt die emotionale Wirkung laut der vorliegenden Besprechung häufig auf Distanz: Weizenbaums psychischer Abstieg wird ausführlich gezeigt, überträgt sich aber nicht durchgehend auf das Publikum. Diese Distanz passt zum Thema der Inszenierung. Eliza kann Empathie nachahmen, aber nicht fühlen; ihre Wirkung entsteht durch die Menschen, die mit ihr sprechen.
